Geschichte der Burschenschaft

Im Februar 1813 gründet Major v. Lützow die Lützower Jäger, die berühmte Studenteneinheit der Befreiungskriege gegen die französische Besatzung. Den Höhepunkt der Befreiungskriege markiert die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813, die mit einer Niederlage Napoleons endete. Der mit Frankreich verbündete Rheinbund löst sich auf, die Macht Napoleons östlich des Rheins ist gebrochen.

Fahne
Fahne, Schwert, Verfassung und
Mitgliederliste der Jenaer Urburschenschaft
(Zu „Am 12. Juni 1815…“)
Am 12. Juni 1815 wird in Jena die Deutsche Burschenschaft gegründet. Die Farben: Schwarz - Rot – Gold, jene des Lützowschen Freikorps, dessen ehemalige Angehörige der neuen Bewegung Anstoß und Richtung geben. Ihr Wahlspruch Ehre – Freiheit – Vaterland versinnbildlicht die hohen Ideale der Befreiungskriege und die Hoffnung auf Überwindung von kleinstaatlicher Zersplitterung der deutschen Lande und drückende Fürstenherrschaft, die schon bald nach dem Sieg über den äußeren Feind jedoch stärker den je zurückkehren.

Am 18. und 19. Juni 1817 strömen 500 Studenten aus 11 Universitäten in ganz Deutschland zum Wartburgfest der Burschenschaft nach Eisenach, der ehemaligen Wirkungsstätte Luthers in Thüringen. Die dort beschlossenen Grundsätze und Ziele waren Wegbereiter der nationalen Einheit und wirken darüber hinaus nicht nur in der deutschen, sondern auch in den meisten europäischen Verfassungen nach:

  • Politische, religiöse und wirtschaftliche Einheit Deutschlands
  • Gleichheit vor dem Gesetz
  • Einführung des Prinzips „nulla poena sine lege“
  • Schutz von Freiheit und Eigentum
  • Rede- und Pressefreiheit, Freizügigkeit

Der Druck der im Deutschen Bund versammelten Regierungen auf die burschenschaftliche Freiheitsbewegung nahm in den folgenden Jahren unter der Federführung des österreichischen Staatskanzlers Fürst Metternich ständig zu und kulminierte schließlich in den „Karlsbader Beschlüssen“. Viele Burschenschafter waren seither mehr denn je ständiger staatlicher Beobachtung und Verfolgung ausgesetzt.
Dennoch überstand die Bewegung diese Zeit der Repression.

Beflügelt durch die Julirevolution in Frankreich kam es am 27. Mai 1832 zum Hambacher Fest, bei dem 30.000 Menschen unter der Führung von Burschenschaftern zusammenkamen und die burschenschaftlichen Farben erstmals auch von Nicht-Studenten hochgehalten wurden. Schwarz-Rot-Gold, die Farben der Burschenschaft, wurden nunmehr endgültig erst zum Symbol der Freiheitsbewegung, und im 20. Jahrhundert schließlich zur Staatsflagge verschiedener deutscher Republiken.

Im selben Jahr verfasst der Bonner Burschenschafter Heinrich Hoffmann von Fallersleben das Lied der Deutschen, die heutige Hymne der Bundesrepublik.

1848 kam es unter Mitwirkung und Führung der Akademischen Legion zur Revolution; der Kaiser in Wien wird zu Zugeständnissen gezwungen. Bald darauf tagt in der Paulskirche zu Frankfurt das erste deutsche Parlament; über 160 der Abgeordneten sind Burschenschafter. Das Grundprogramm der Deutschen Burschenschaft ist Grundprogramm dieses Parlaments, dessen erster Präsident der Burschenschafter Heinrich von Gagern.

Nach dem preußisch-österreichischen Bruderkrieg von 1866 und insbesondere der Kaiserkrönung des preußischen Königs 1871 sahen die Burschenschaften außerhalb Österreichs ihre Ziel weitgehend als erreicht an und wandelten sich von einer revolutionären zur staatstragenden Bewegung; im österreichischen Vielvölkerstaat hingegen blieb die Burschenschaft mit ihrer nationalen und weitgehend antiklerikalen Ausrichtung im politisch-weltanschaulichen Kampf verhaftet und im Konflikt mit der Obrigkeit.

1935 erfolgte die Zwangsauflösung der Deutschen Burschenschaft durch Hitler, die weitere Existenz ist nur mehr im Untergrund möglich.

Ab 1950 kommt es zu einem langsamen Wiedererstehen an den Universitäten.

Heute vereinigt die Deutsche Burschenschaft als Dachverband mehr als 15. 000 Mitglieder in etwa 120 Burschenschaften.