Geschichte der Libertas

GeschichteIm österreichischen Kaiserreich kam es erst deutlich später als auf dem Gebiet der heutigen Bundesrepublik zur Gründung der ersten Burschenschaften, da Staatskanzler Metternich hierzulande durch noch wirksamere Unterdrückungsmaßnahmen die Gründung politischer Vereine solcher Ausprägung verhindert hatte. Erst nach der verlorenen Schlacht von Solferino sah sich Kaiser Franz Josef gezwungen als Zugeständnis an das Bürgertum unter anderem liberalere Vereinsgesetze zuzulassen.

In Folge der Feierlichkeiten zum 100. Geburtstags Friedrich Schillers, an denen besonders  in Wien viele tausend Bürger und Studenten teilnahmen, gründeten am 5. Mai 1860 Absolventen der Olmützer Oberrealschule in Wien die Landsmannschaft Libertas mit den Farben Schwarz-Rot-Gold. Die Begeisterung der Studentenschaft für den Dichter erklärt sich am einprägsamsten durch ein  Zitat Goethes zum Ableben Schillers:

„Er predigte das Evangelium der Freiheit“.

Daraus erklärt sich sowohl der Name unserer Burschenschaft, als auch die Tatsache, das die Libertas im Gegensatz zu den meisten anderen Korporationen in ihrem Wahlspruch Freiheit – Ehre - Vaterland der Freiheit den ersten Platz einräumt.

Schon am 16. Juni 1861 erhob Libertas sich aufgrund des steigenden Andrangs von Kommilitonen auch aus anderen Gebieten als der engeren Heimat ihrer Gründer als erste noch bestehende Verbindung in Österreich zur Burschenschaft

GeschichteDiese Schritt ging über rein formale Gesichtspunkte weit hinaus, da eine Burschenschaft einerseits den Anspruch hatte, mit der engen Sicht einer nur auf regionale Kriterien abstellenden Mitgliedschaft zu brechen; andererseits  war die Form „Burschenschaft“ in der damaligen Zeit schon allein eine politische Aussage und eine Herausforderung der Obrigkeit. 

Wechselnde Geschicke unseres Volkes spiegelten sich in den folgenden Jahren durch mehrere Farbenwechsel zwischen Schwarz-Rot-Gold und Grün-Weiß-Gold wieder.

1874 spaltete sich Libertas in einen konservativen und einen progressistischen, also mehr liberaler ausgerichteten Teil. Die konservative Libertas führte weiterhin Schwarz-Rot-Gold, die progressistische Libertas nahm Grün-Weiß-Gold als Farben an und änderte anlässlich ihrer Konservativerklärung, mit der Aufnahme des fechten von Mensuren, 1893 den Namen in Arminia. Viele Bundesbrüder zeichneten sich im Völkerkerker der Donaumonarchie mit seinen zahlreichen antagonistischen Nationalitäten in hervorragenden politischen Funktionen durch besonnenes aber entschlossenes Ringen um die deutsche Sache aus. 1938 lösten sich Libertas und Arminia wie auch alle anderen österreichischen Burschenschaften unter dem Druck des NS-Staates auf.

Nach dem Zusammenbruch des III. Reiches konnte – durch Fusion der Altherrenverbände – die wiedervereinigte Libertas 1952 mit den Farben Grün-Weiß-Gold wiedererstehen.

Im selben Jahr wurde mit der Münsterer Burschenschaft Franconia ein Arbeits- und Verkehrsverhältnis begründet, nachdem schon seit vielen Jahren enge persönliche und weltanschauliche Bande bestanden.

couleur1992 wurden aus Freude über den Einigungswillen des deutschen Volkes und den Fall des von den Kommunisten so zynisch als „antifaschistischer Schutzwall“ bezeichneten Eisernen Vorhangs mitten in Deutschland wieder die Farben Schwarz-Rot-Gold angenommen. In den vielen Jahren der schmerzlichen Teilung Deutschlands war die Burschenschaft eine der wenigen Organisationen gewesen, die unermüdlich und bedingungslos die Überwindung der Teilung eingefordert und betrieben hatten.

Im Sommer 2002 wurde aus Anlass des 50jährigen Bestehens das Verkehrsverhältnis mit der MB! Franconia in der Wartburgstadt Eisenach feierlich auf ein Freundschaftsverhältnis aufgewertet und damit der besonderen Intensität der Beziehungen auch und gerade der jüngeren Generation beider Burschenschaften Rechnung getragen.