Lebensbund

Die Mitgliedschaft in den studentischen Korporationen im deutschen Raum endete ursprünglich mit dem Abschluss des Studiums. Dies entsprach den damaligen Verhältnissen, unter denen die Korporationen als Hort liberalen, freiheitsliebenden und auf die nationale Einigung ausgerichteten Gedankenguts der ständigen Verfolgung durch die Obrigkeit ausgesetzt waren.

Daher war die Zeit an der Universität, die Aktivzeit in der Korporation, eine Zeit der gefährlichen Konfrontation mit dem damals herrschenden repressiven System. An die Gründung einer Existenz, an das Vorankommen in der bürgerlichen Gesellschaft - gerade auch um diese von innen heraus zu verändern - war erst danach überhaupt zu denken, ohne durch die Mitgliedschaft in einer der reaktionären Obrigkeit stets verdächtigen Verbindung ständiger Verfolgung ausgesetzt zu sein.

Erst mit der allmählichen, teils revolutionären und von Burschenschaftern angeführten Überwindung absolutistischer Strukturen gingen die Korporationen dazu über, die Mitgliedschaft auch über das Ende der Studienzeit hinaus zu erstrecken.

Das Prinzip „Lebensbund“ bedeutet heute die lebenslange Zugehörigkeit zum Bund einerseits und die ständige Verbundenheit  seiner Mitglieder andererseits. Den historischen Wurzeln entsprechend sind es nach wie vor die studierenden Mitglieder, die die Führung des Bundes innehaben. Die vom jungen Studenten, vom „Aktiven“, vorgegebene Linie und Richtung wird auch vom Universitätsprofessor als „Altem Herrn“ befolgt und mitgetragen, von dessen Erfahrung und Können wiederum die Aktiven profitieren.

Enge persönliche Freundschaft und Hilfe in allen Lebenslagen sind für uns selbstverständlich; durch die hohen Ansprüche unseres Bundes an Einsatz und Leistung des Einzelnen läuft dieser im Gegensatz zu vielen anderen Organisationen jedoch nie Gefahr, als „Karriereleiter“ missbraucht zu werden.